Der Casanova

Ludwig war ein Frauenheld, aber er konnte es sich auch leisten. Groß gewachsen, schlank, sportlich gebaut und einen Körper zum Niederknien. Seine schwarzen kleinen Wellen glänzten wie eine Speckschwarte, seine blauen Augen funkelten wie ein Diamant. Von den Männern beneidet, von den Frauen umschwärmt. Es gab damals schon keine auf der Schule, die nicht hinter ihm her war. Das Schlimme jedoch war, dass er es wusste und ausnutzte.

Während der Schulzeit brach er einem Mädchen nach dem anderen das kleine zarte Herz und lachte über deren Liebesschwüre. Viele litten an Liebeskummer, aber Ludwig war das schnurzpiepegal, er hatte bereits eine neue Errungenschaft im Auge.

Wie er es beendete, wenn es lästig wurde? Entweder er nörgelte viel herum oder er ging wissentlich fremd. Meistens ließ er es so aussehen, als wäre das Mädchen schuld. Es gab nur wenige schlaue Mädchen, die dahinter stiegen, dass er dabei ein System hatte. Den anderen Mädels machte es nichts aus oder sie merkten seine Spielchen einfach nicht. Wie dumm. Wie schade.

Doch eines Tages traf er die Frau seiner Träume. Bei ihr wurde er schwach. Bei ihr wurden seine Knie weich. Bei ihr schlug sein Herz Purzelbäume und sie wusste das und es war ihr Ziel, ihn für das zu bestrafen, was er ihr damals angetan hatte. Er hatte sie damals sehr verletzt. Nur eine Woche waren sie zusammen und sie wusste, dass sich jeder in der Schule und auf der Straße fragen würde, warum er überhaupt mit ihr zusammen war. Sie fragte sich das auch, aber so war es nun mal.

So gern hätte Katja sich mit ihm gezeigt, hätte vor ihren Freundinnen mit ihm angegeben, doch Ludwig konnte öffentlichen Treffen geschickt aus dem Wege gehen, ging einen anderen Weg zur Schule. In derselben Klasse waren sie nicht.

Katja war sehr verliebt damals und Ludwig war ihr erster Freund. Nach nur drei Tagen sagte sie ihm, dass sie ihren Eltern von ihm erzählt hatte und sie ihn gerne kennen lernen würden. Das war zu viel, das bedeutete Bindung und Druck und vor allem Freiheitsentzug. Verbindlichkeiten? Niemals. Nicht für ihn und nicht in diesem Leben.

Katja stand in seinem Zimmer. Seine Eltern waren nicht da, das waren sie nie, auch nicht seine Geschwister. Er traf sich immer nur im Geheimen mit ihr. Sie zog sich an, während Ludwig zu seinem verbalen und vernichtenden Schlag ausholte. »Das mit uns kannst du übrigens vergessen und zwar ganz schnell.«

Katjas Herz klopfte aufgeregt hinter ihrem für ihr Alter üppigen Busen. »Wie meinst du das, Ludwig? Machst du etwa Schluss?«

»Ich hätte nicht gedacht, dass du das so schnell kapierst. Ja, es ist aus. Und jetzt sieh mal zu, dass du nach Hause kommst, meine Eltern kommen bald nach Hause.«

Völlig verdattert sah sie Ludwig an und ihr schossen Tränen in die Augen.

»Fang jetzt ja nicht an zu flennen. Ey Mann, du hast doch gewusst, dass ich nicht wirklich was von dir wollte. Etwas Spaß und gut. Oder hast du ernsthaft gedacht, dass ich auf so einen fetten Schwabbel wie dich stehe?« Das höhnische Lachen, das er von sich gab, würde Katja nie wieder vergessen und sie hat es bis heute nicht vergessen.

Das Ludwig sie nicht erkannte, kam Katja sehr gelegen. Sie gab vor, eine andere zu sein und so wurde aus Katja Bauer einfach Nathalie Hofer.

Ludwig war sofort geflasht von ihr, konnte in der Kneipe seinen Blick nicht von ihr abwenden. Immer wieder sah er zu ihr rüber. Aber alles war anders als sonst. Sein Herz schlug Purzelbäume, er bekam klamme Hände und er traute sich nicht mal zu lächeln.

Als diese Wahnsinnsfrau dann noch auf ihn zu kam, sich zu ihm setzte und ihn auf einen Drink einlud, war er völlig konfus. Nie hatte er gestottert. Nie hatte er Schwierigkeiten etwas zu sagen. Nie verlor er all seine Lügen und Schleimereien. Aber wie sollte er auch? Diese Frau war schön. Diese Frau haute ihn um. Diese Frau war die Frau seiner Träume. Und das erste Mal in seinem Leben war er verliebt, wirklich verliebt. Das erste Mal in seinem Leben wünschte er sich diese Frau für den Rest seines Lebens.

Katja freute sich, es ihm endlich heimzuzahlen. Sie wollte ihn verletzen und ihn leiden sehen, so wie es ihr damals erging. Sie könnte ihn jetzt auf seinen strammen Bauchansatz ansprechen und es kurz und bündig machen, aber sie hatte einen anderen Plan. Eine Woche sollte es gehen, derselbe Zeitraum, den er ihr damals zugestanden hatte.

Ludwigs Freunde bekamen noch am selben Abend per Whatsapp ein Bild von seiner Hammerbraut. Doch auf seine plötzliche Schwärmerei folgten verwunderte Worte und Reaktionen. Wie konnte es sein, dass er so redete? Wie kam es, dass er fast zärtlich klang, wenn er über eine Frau sprach? Sonst stellte er sie doch immer als naive Objekte hin. Diese Frau wollten natürlich alle kennen lernen und auch das war eine erneute Chance, die Katja eingeplant hatte.

Sie hatte ein enges kurzes Rotes an, ihre langen schlanken Beine wurden von roten High Heels abgerundet. Die Hüftlangen Haare waren sexy hochgesteckt und ihr Gesicht wurde von einem dezenten Makeup in Szene gesetzt. Ludwig brannte drauf, heute Abend mit ihr vor ihnen anzugeben.

Doch heute Abend wollte sie ihn für sich allein. Ludwig bat um ein Bild zusammen mit ihr, damit ihm seine Freunde glaubten, doch sie lehnte ab. Es machte ihn wahnsinnig, wie sie mit ihm umging, aber der Abend verhieß Gutes.

Sie hatten es sich bei einer DVD und einer Flasche Rotwein gemütlich gemacht. Ludwig hatte sich wirklich Mühe gegeben. Katja war kurz davor, sich noch einmal in ihn zu verlieben. Doch die schmerzlichen Erinnerungen hielten sie Gott sei Dank davon ab.

Das Spiel hatte bereits angefangen und er wollte sie, dessen war sie sich sicher. Und so nährte sie die vergangenen Tage seine Liebe und an diesem Abend sein Begehren. Bis ihr die Chance auf Rache auf dem Silbertablett serviert wurde.

Mit jedem Blick, jeder Geste, jedem Satz, mit jedem Wort wurde Ludwig kleiner und sein Selbstbewusstsein innerhalb weniger Minuten in Grund und Boden gestampft. Das hatte noch keine Frau zu ihm gesagt und es tat verdammt weh.

Seine Unzulänglichkeiten hatte er bisher verdammt gut kaschieren und manipulieren können. Doch diese Frau schaffte es, ihm aufzuzeigen, was für ein Wicht er doch war und als er die ganze Wahrheit erfuhr, passierte etwas in ihm.

Nur wenige Wochen später hatte Ludwig eine vollkommene Umwandlung hinter sich. Er hatte Respekt vor den Frauen und rührte keine Frau mehr an, mit der er es nicht auch ernst meinte. Aber so sehr er auch wollte, sein Herz gehörte Katja.

Sein Herz war gebrochen und zum ersten Mal wusste er, wie es sich anfühlte, so verletzt worden zu sein, so verarscht. Zum ersten Mal empfand er Mitleid mit all den Mädchen und Frauen, mit denen er in der Vergangenheit so schändlich umgegangen ist. Am Liebsten würde er sich bei allen entschuldigen…




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