Der Casanova

Ludwig war ein Frauenheld, aber er konnte es sich auch leisten. Groß gewachsen, schlank, sportlich gebaut und einen Körper zum Niederknien. Seine schwarzen kleinen Wellen glänzten wie eine Speckschwarte, seine blauen Augen funkelten wie ein Diamant. Von den Männern beneidet, von den Frauen umschwärmt. Es gab keine auf der Schule, die nicht hinter ihm her war. Das Schlimme jedoch war, dass er es wusste. Und ausnutzte.

  Während der Schulzeit brach er einem Mädchen nach dem anderen das kleine zarte Herz. Viele litten an Liebeskummer, aber Ludwig war das schnurzpiepegal, er hatte bereits eine neue Errungenschaft im Auge. Wie er es beendete, wenn es lästig wurde? Entweder er nörgelte oder er ging wissentlich fremd. Meistens ließ er es so aussehen, als wäre das Mädchen schuld. Es gab nur wenige schlaue Mädchen, die dahinter stiegen, dass er ein System hatte. Den anderen Mädels machte es nichts aus oder sie merkten seine Spielchen einfach nicht. Wie dumm. Wie schade.

  Doch eines Tages traf er die Frau seiner Träume. Bei ihr wurde er schwach. Bei ihr wurden seine Knie weich. Bei ihr schlug das herz Purzelbäume. Und sie wusste das. Zuerst spielte sie ein Spiel, er wollte sie, dessen war sie sich sicher. Er sollte sich ein wenig anstrengen. Und irgendwann biss er an. Natürlich.

  Sie ging eine Weile mit ihm, nährte seine Liebe und sein Begehren und dann, als er kurz davor war, sie um ihre Hand zu bitten, ließ sie ihn fallen, wie eine heiße Kartoffel.

  Ludwig drehte sich um sich selber, hatte Respekt vor den Frauen und rührte keine Frau mehr an, mit der er es nicht auch ernst meinte. Sein Herz war gebrochen und zum ersten Mal wusste er, wie es sich anfühlte. Zum ersten Mal empfand er Mitleid mit all den Mädchen und Frauen, mit denen er so schändlich umgegangen ist. Am Liebsten würde er sich bei allen entschuldigen…

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© Charlene Mc Kennie